Die Anfänge des organisierten Brandschutzes

Wenn man die Heimatgeschichte der vergangenen Jahrhunderte im Zusammenhange mit den Siedlungen und Dörfern unseres Landes einer Betrachtung unterzieht, so zeigt sich im Gemeinschaftsleben der Menschen ein besonderer charakteristischer Zug. Er ist darauf gerichtet, eine Sicherung von Leben und Eigentum der Bürger zu gewährleisten und außerdem alle Wohn- und Arbeitsstätten bei bedrohlichen Gefahren zu schützen.

Pfarrhausbrand am 1.7.1776

Dies gelang in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht immer. So waren die Schäden bei gewaltigen Feuersbrünsten sehr groß. Zwar weiß die Ortsgeschichte von Kirchweyhe nur einen derartigen Fall zu vermelden und zwar als am 1.7.1776 in Kirchweyhe im Pfarrhaus während des Gottesdienstes ein Feuer ausbrach und binnen kürzester Zeit 15 Gebäude vernichtete. Die Kirche und die Schule blieben stehen.

Dass durch solche Geschehnisse der Gesamteindruck der betroffenen Ortschaft nach dem Wiederaufbau in der Folgezeit stark beeinflusst wurde, ist bis in unsere Zeit erkennbar geblieben. So ist es mehr als begreiflich, wenn die bäuerliche Bevölkerung auf dem Lande früher mit großer Sorge stets darauf bedacht war, Brände zu verhüten und zu bekämpfen. Die Gemeinde als solche tätigte Maßnahmen und Beschlüsse, die in ihrer Gesamtheit dem Feuerschutz dienen sollte. Am 2. Juni 1858 berichtet ein Protokoll des damaligen Gemeindevorstehers Koch über einen Beschluss der Gemeindevertretung folgendes:
„Zur zweckmäßigen Handhabung der Feuerspritze werden 30 Einwohner ausgewählt, welche bei Ausbruch eines Feuers in der Gemeinde Kirchweyhe und Sudweyhe sich augenblicklich auf der Brandstätte bei der Spritze zum Pumpen einzufinden haben. Außerdem wurden 5 Einwohner dazu bestimmt, gleichfalls die großen Gemeinde-Feuerhaken zur Brandstätte tragen, so wie dieselben an ihre Lagerstätte zurück liefern.“ Das war im Grunde genommen nichts anderes als eine Art „Pflichtfeuerwehr“.

Feuerwehrmann von früher

Eine Feuerspritze besaß die Gemeinde Kirchweyhe also auch schon. Aufgrund ihrer primitiven Beschaffenheit war es wohl eher nur eine Druckspritze, da das Wasser derselben nur mit ledernden Eimern durch „der Hände lange Kette“ zugeführt wurde.
1864 war eine Ausbesserung der Spritze notwendig geworden. Der schon ansässige Mechanicus Albert Warneke, Sudweyhe, legte eine Zeichnung vor, den Schaden zu beheben. Statt Holzachsen bekam die Spritze eiserne Achsen. Die vorgesehenen Sitze für die Mitfahrer bekam die Spritze aus Kostengründen noch nicht. Auch trugen die Spritzenmänner schon Uniformen (Röcke und Helme). 1866 gab es sogar neue Röcke, weil die alten in schlechtem Zustand waren. Recht interessant ist eine Niederschrift aus der Sitzung der Gemeindevertretung vom 23. Februar 1870. Es stand eine Anordnung vom Amtshauptmann Eilers zu Syke zur Beratung. Darin wurde der Gemeinde zur Anschaffung auferlegt: 1 große Brandleiter, 5 große Fässer, jedes auf einem Schlitten stehend, stets mit Wasser gefüllt, eine genügend große Anzahl von Eimern (keine hölzernen) als ständiges Inventar des Spritzenhauses. Man kam in der Beschlussfassung dahin überein, mit Rücksicht auf die noch zahlreich vorhandenen Sandwege in der Ortschaft für die Fässer und Tonnen als Unterbau Wagengestelle zu nehmen und jeder Bauerstelle die Bespannungsverpflichtung aufzubürden.

Von 1874 an wurde mehrfach die Beschaffung eines besonderen „Anbringers“ (zur Herbeischaffung der Wassermengen für die Spritze) erwogen, in Gemeinschaft mit der Gemeinde Sudweyhe zusammen. Wenn in den Akten der Vergangenheit sogar von einem „Göbel – Anbringer“ die Rede ist, so mag damit wohl ein besonderes Pumpwerk gemeint sein, welches von Pferden in Betrieb gesetzt wurde.

Im Jahre 1875 erhielt die Ortschaft Dreye eine eigene Spritze von dem Onkel des Brinksitzers Johann Blohm geschenkt. Auch diesem Gerät fehlte das erforderliche Saugwerk. Die Gemeinde übernahm Unterhaltung und Pflege und bewilligte 600 Fuß (ca. 200 m) Schläuche nebst einem Schlauchwagen. Das war für die damalige Zeit schon eine Errungenschaft. Aber die Wasserfrage war ständiges Sorgenkind. Es wurden in allen 3 Ortsteilen sogenannte „Nathkuhlen“ angelegt, die aber im Sommer und bei großer Trockenheit regelmäßig kein Wasser hatten. Dann kamen die richtigen Kesselbrunnen als Notbrunnen, und später musste man sich zu teuren Röhrenbrunnen entschließen. Der Dienst der Spritzenleute war den gegebenen Verhältnissen entsprechend geregelt. Austritte (infolge vorgerückten Alters) wurden durch Neuwahlen ergänzt.

Handdruckspritze von 1894

1894 bezog die Gemeinde Kirchweyhe eine neue Feuerspritze. Die alte konnte nach gründlicher Überholung der Ortschaft Lahausen zugewiesen werden. Dort ist das Fahrzeug in der Folgezeit noch zu wiederholten Malen bei der Brandbekämpfung von Schadenfeuer erfolgreich zum Einsatz gekommen.

So war im Laufe der Jahre die Entwicklung des Feuerlöschwesens in der Gemeinde Kirchweyhe allmählich bei einem Wendepunkt angelangt. Dieser Wendepunkt wurde gekennzeichnet durch eine regierungsseitige Anregung, die zu Beginn des Jahres 1902 ihren Ausdruck fand in einem „Aufruf zur Bildung von freiwilligen Feuerwehren im Bereich der Provinz Hannover“ mit beigefügten Musterstatuten. Die einzelnen Gemeinden hatten hierzu Stellung zu nehmen. Das geschah auch in der Gemeinde Kirchweyhe.


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