Der neue ELW der Feuerwehr Weyhe

Ein Quantensprung in der Entwicklung

 Am Montag den 19. Februar ist der neue Einsatzleitwagen 1 für die Feuerwehr Weyhe beim Hersteller abgeholt worden. Das Fahrzeug ist im Vergleich zu seinem Vorgänger ein Quantensprung in allen Bereichen. Es besticht durch ein durchdachtes Gesamtkonzept von der autarken Arbeitsfähigkeit bis hin zu der Ergonomie der Arbeitsplätze im Fahrzeug selbst. 


ELW Weyhe - Aussenansicht

 

Fahrgestell

Aufgebaut auf einem modernen Mercedes Sprinter 516 CDI mit einer Gesamtmasse von 5 Tonnen ist das Fahrzeug auch deutlich größer als sein Vorgänger. Mit einem Radstand von 4325 mm und einem Überhang von 2016mm bietet es viel Platz im Innenraum. Dies ist vor allem aufgrund der neuen Anordnung der Arbeitsplätze notwendig geworden. Die positiven Fahreigenschaften werden durch ein Automatikgetriebe und die Zwillingsbereifung am Heck zusätzlich unterstützt. 
 
Die Besatzungen des alten Fahrzeugs bemängeltem vor allem immer die Platzverhältnisse und die Klimabedingungen. Diese Probleme wurden in den Fokus der Neubeschaffung gesetzt. So hat das Fahrzeug neben der Klimaanlage durch das Fahrgestell eine zusätzliche auf dem Fahrzeugdach verbaut, diese übernimmt die Kühlung des Fahrzeugs im Stand. Auch für den Winter ist das Fahrzeug durch die Standheizung und einen zusätzlichen Wärmetauscher gerüstet. 
 

Ergonomie

Wesentliche Veränderungen ergeben sich in der Gestaltung der Arbeitsplätze. Angefangen bei Fahrer- und Beifahrer die jeweils drehbare Einzelsitze haben und deren Sitze somit dann auch an der Einsatzstelle nutzbar bleiben. Als Sitzplätze am Besprechungstisch. 
 
Die Sitzbank am Besprechungstisch zeichnet sich durch die „Reisebus-Mechanik“ aus. Jeder Einzelsitz ist seitlich und in Fahrtrichtung zu verstellen. So dass auch auf längeren Reisen (z.B. zu Hochwasser-Einsätzen) deutlich mehr Platz auf dieser Sitzbank ist. Auch können die Sitze so auf die persönlichen Bedüfrnisse eingestellt werden, wenn von dort am Besprechungstisch gearbeitet werden soll.
 
Funkraum des ELW WeyheHerausragend sticht jedoch die Anordnung der Arbeitsplätze im Funkraum heraus. In Fahrtrichtung hintereinander sind die zwei Einzelsitze angeordnet. Jeweils komplett dreh- und verschiebbar, so dass jeder Arbeitsplatz individuell eingestellt werden kann. Der Funktisch ist Längs zur Fahrtrichtung zur linken Fahrzeugseite ausgerichtet. Damit ergibt sich je Arbeitsplatz eine Arbeitsfläche von ca. 110cm Breite! Bisher standen hier nur ca. 160cm für zwei Arbeitsplätze zur Verfügung. 
 
 
Auch die Unterbringung der persönlichen Ausrüstung ist bei dem Fahrzeug berücksichtigt worden. So findet sich über Beifahrer und Fahrer eine stabile Ablage für Helme und Einsatzjacken, außerdem im Funkraum eine für Einsatzjacken ausgelegte stabile Garderobe. Damit gehört diese „Unordnung“ ebenfalls der Vergangenheit an.
 
 

Autarke Versorgung

Das Fahrzeug hat eine durchdachte und innovative Energiebilanz. Als Energiespeicher für die Versorgung der Verbraucher ist eine leistungsstarke LiIon Batterie verbaut. Im Unterschied zu herkömmlichen KFZ-Batterien haben LiIon Battierien mehrere Vorteile. So kann z.B. wesentlich mehr Kapazität entnommen werden bei gleichzeitig längerer Lebensdauer, gemessen in Ladezyklen. 
 
Durch eine Kombination aus Wechselrichter und Ladegerät, die aus dem Marine-Bereich stammt, ist zu jeder Zeit eine stabile Stromversorgung im 230V Wechselspannungs- und auch im 12V Bordspannungsbereich gewährleistet. Auch die Überwachung der Spannungsversorgung ist deutlich einfacher geworden. Über ein übersichtliches Display werden alle derzeit zugeführten und abgenommenen Lasten dargestellt.
 
An der Einsatzstelle kommt ein neuer 3 KVA Stromerzeuger zum Einsatz, der das Fahrzeug mit 230V Wechselspannung versorgt und somit das Ladegerät und die Versorger speist. Auf diese Weise ist ein nahezu unendlicher Betrieb möglich. Allein über die LiIon-Batterie kann das Fahrzeug min. zwei Stunden eingesetzt werden. 
 

Kommunikation

Was bisher als „Bastellösung“ realisiert war, ist nun eine integrierte und wartungsfreie Lösung der Kommunikationstechnik geworden. Das Fahrzeug hat eine Telefonanbindung über derzeit eine GSM (Handynetz) Schnittstelle. Eine zweite wäre ohne Aufwand realisierbar. 
 
Die Anbindung an die Datennetze erfolgt im Regelfall über LTE, bei schlechter Versorgung kann über die Satellitenanlage ebenfalls eine Datenverbindung aufgebaut werden. Dies kommt vor allem bei Einsätzen in ländlichen Gebieten (Weiße Flecken) oder bei Ausfällen des Handy-Netzes zum tragen. Dies kann z.B. bei Hochwasser-Lagen im Rahmen der Kreisbereitschaft oder lokalen Unterwetterlagen passieren. 
 
Bei längeren Einsätzen ist eine Speisung per Netzwerkkabel in einen außen am Fahrzeug angebrachten Anschlusskasten möglich. Ebenfalls kann sich das Fahrzeug in eine verfügbares WLAN einbuchen. Der verbaute Router ist bis ins Detail konfigurierbar und wählt automatisch die jeweils beste Verbindung aus. Gleichzeitig stellt der Router einen internen AccessPoint bereit und darüber eine WLAN für die mobilen Geräte im Fahrzeug. 
 
Bewusst gegen eine weitere Telefonanbindung für ein autarkes Fax wurde sich entschieden, weil diesem Medium für unsere Arbeit in den letzten Jahren quasi bedeutungslos geworden ist. Eine Rückfallebene ist noch über eine Fax2Mail Lösung an einem Festnetzanschluss realisiert.
 
 
SEB VoIP FireDie Funktechnik ist nun voll digital ausgelegt. Nachdem bei uns im Landkreis der Wirkbetrieb „Digitalfunk“ erfolgreich läuft, könnte auf fest verbaute analoge Funktechnik verzichtet werden. Entsprechende Handsprechfunkgeräte sind jedoch weiterhin vorhanden. Die Funkgeräte sind über sogenannte Mehrfachbedienstellen zu besprechen. Alle drei verbauten Funkgeräte sind von allen drei Arbeitsplätzen zu bedienen. Dank Headset und Fußtaster kann ohne störende Nebengeräusche je Arbeitplatz gearbeitet werden. Einer der Arbeitsplätze ist mobil ausgelegt, so dass die Bedienstelle mittels Netzwerkkabel vor das ELW oder sogar noch weiter entfernt (z.B. in ein Gebäude oder ein Schnelleinsatzzelt) verlegt werden kann. Die Bedienstellen bieten zudem weiteren Komfort, so kann darüber ebenfalls das Telefon besprochen werden und sogar Funkgespräche kurzzeitig aufgezeichnet werden.  

Fazit

Das Fahrzeug setzt mit der verbauten Technik, der Ergonomie und den innovativen Lösungen bis ins Detail Maßstäbe. Die Wünsche der Kameradinnen und Kameraden, die mit dem Fahrzeug arbeiten, wurden nahezu vollumfänglich erfüllt. Die Bauphase und die Abstimmung mit dem Ausbauer GSF war absolut tadellos – Qualität und Ergebnis passen. 
 

 

Autor:
Kai Schaumann
Datum:
5. März 2018
Kategorien:
Aus den Wehren , Einsatzabteilung , Information